women&energy
Energie, die (f)
In den meisten europäischen Sprachen ist das Wort Energie dem Femininum zugeordnet. Trotzdem wurde die Bedeutung meist vorschnell als „zu technisch“ und damit „der Männer-Domäne angehörig“ gedeutet.
Das hat sich grundlegend geändert. Die Energiebranche ist zum Gesellschaftsthema geworden. Besonders die Erneuerbaren Energien sind in den Medien an der Tagesordnung.
Kommunikation und Trendentwicklung werden nicht selten von Frauen angetrieben, Meisterinnen im Austausch von Informationen aller Art. Es ist daher nicht abwegig anzunehmen, dass das zunehmende gesellschaftliche Bewusstsein für Erneuerbare Energien besonders auf das Engagement der Frauen zurückgeht. Ein Indiz, dass die Energiebranche schleichend auch in weibliche Zügel übergeht?
Laut Hoppenstedt liegt der Anteil weiblicher Beschäftigter in der Erneuerbare Energien Wirtschaft derzeit bei rund 20 %, nur 11 % im Top Management. Ein Zeichen, dass das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist.
Wir befragten Frau Dr. Nicole Elert, Initiatorin und Verantwortliche des Projekts „women&energy“ bei PwC und Ihre Kollegin Dajana Neumann zu diesem Thema.
Frau Dr. Elert, was ist Sinn und Zweck des Netzwerks „women&energy“ und wer ist Teil dieses Netzwerks?
Dr. Nicole Elert: Unser Netzwerk dient dem kontinuierlichen Informationsaustausch innerhalb der Energiebranche. Der Großteil der Mitglieder ist auf Entscheider-Ebene angesiedelt: Geschäftsführerinnen, Führungskräfte und im Management tätige Anwärterinnen auf Führungspositionen bringen sich aktiv ein.
Dajana Neumann: Dabei reicht das Themenspektrum von Technik und Recht über Vertrieb bis zu Finanzthemen. Wir organisieren hierzu zwei Mal pro Jahr Netzwerkveranstaltungen bei uns im Haus. Dabei sind auch Teilnehmer aus Österreich und den Niederlanden. Wir schauen also weit über den eigenen Tellerrand hinaus. Die nächste Veranstaltung findet am 9. Mai 2012 in Düsseldorf statt. Unser Thema wird dann die „Energiewende“ sein.
Glauben Sie, dass sich im Zuge der Energiewende tatsächlich das Interesse der Frauen an Energie und technischen Themen vermehrt hat/ vermehren wird?
Dr. Nicole Elert: Das Interesse am Thema Erneuerbare Energien hat insgesamt deutlich zugenommen. Frauen haben sich aber auch schon vor der politisch verfügten Energiewende sehr für das Thema interessiert.
Wie stehen Sie zum Thema „Frauenquote“?
Dr. Nicole Elert: Selbstverständlich bin ich der Meinung, dass Frauen noch nicht in allen Belangen vollkommen gleichberechtigt sind. Wer aber glaubt, dass eine verbindliche Quote alle Probleme löst, der ignoriert die Komplexität der Realität. Jedes Unternehmen muss für sich den richtigen Weg finden, um mehr Frauen in verantwortliche Positionen zu bekommen. Eine einfache Lösung gibt es leider auch hier nicht.
Was können besonders Frauen im Hinblick auf die Entwicklung nachhaltiger Energie-Formen bewirken?
Dr. Nicole Elert: Frauen interessieren sich stark für „Grüne Energie“ und „Zukunftsszenarien“. Besonders neue Themenfelder wie z.B. die E-Mobilität, wecken großes Interesse. Ich denke, dass man dieses Interesse nutzen kann, um mit Tatendrang neue Projekte voranzutreiben. Besonders Frauen zeigen hier Pioniergeist und wollen nicht nur Alltagsprobleme anpacken und lösen.
Was ist Ihr persönliches Ziel in Bezug auf die Zukunft der Energie?
Dr. Nicole Elert: Mein persönliches Ziel deckt sich stark mit meiner Aufgabe bei PwC. Ich möchte, dass sich Frauen auch künftig noch stärker vernetzen und untereinander austauschen. Diese Kommunikation ist oft der Anlass, um die Dinge nachhaltig anzupacken. Die geistige Energie ist wie ein Motor, der im Austausch gezündet wird.
Wo sehen Sie Chancen? Wo Risiken?
Dr. Nicole Elert: Auf dem VKU Kongress in Dresden stellte ein Referent die spannende Prognose auf, dass bereits 2035 mehr Stellen im Bereich „green business“ besetzt würden, als in der Automobilbranche. Gerade in der nahen Zukunft gibt es hier also viele Gestaltungsmöglichkeiten.
Deutschland ist zudem noch immer Technologievorreiter. Als Ideengeber hat man hier sicher viele Chancen.
Welche Anlaufstellen empfehlen Sie jungen Frauen, die eine Karriere in der Energiebranche anstreben?
Dajana Neumann: Als Grundlage würde ich die Informationen, welche über die Verbände angeboten werden empfehlen.
Dort gibt es zudem sehr interessante Persönlichkeiten als Ansprechpartner, wie z.B. Hildegard Müller beim BDEW. Zusätzlich bieten die Publikationen und Studien der großen internationalen Organisationen (zB. International Energy Agency, World Energy Council) eine tolle Grundlage für das Basiswissen, aber auch Detailwissen. Die Studienwahl trägt zu einem reibungslosen Einstieg sicher bei. Aber auch hier denke ich, dass man nie früh genug mit dem Netzwerken beginnen kann.
Was muss die Energiewirtschaft leisten, damit mehr Frauen eine Karriere im Energiebereich anstreben?
Dr. Nicole Elert: Ich denke, von Seiten der Wirtschaft wird schon viel getan. Entscheidend ist, dass die Kolleginnen selbst aktiv werden.
Wie kann man als Neuling in das Netzwerk women&energy aufgenommen werden?
Dajana Neumann: Vorwiegend über den persönlichen Kontakt zu einem der Mitglieder oder uns Veranstaltern selbst.
Unser Netzwerk ist mittlerweile in sehr vielen Unternehmen in der Energiebranche präsent. Wer im eigenen Unternehmen noch keinen Ansprechpartner finden kann, der sich bereits aktiv engagiert, kommt am besten bei Veranstaltungen wie bspw. der Handelsblattjahrestagung 2012 im Januar auf uns direkt auf dem PwC Infostand zu.
Eine persönliche Frage: Was reizt Sie beide an der Energiebranche?
Dr. Nicole Elert: Die Branche ist stetig im Wandel und Aufbau. Mir gefallen die neuen Herausforderungen, die sich immer wieder auftun und die mich immer wieder zum Umdenken nötigen. Die Branche lebt und ich genieße die Dynamik.
Dajana Neumann: Mich reizt besonders, dass dieses Thema ein globales Thema ist. Jedes Land hat zwar seine eigenen Regularien und Gesetze, dennoch ist unser Ziel in etwa das gleiche. Es macht Spaß in einem Bereich zu arbeiten, der so elementar die Zukunft beeinflusst.
Vielen Dank für das Gespräch und
weiterhin viel Erfolg!
Text: Katrin Wellenberg
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